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III. Der Zweck des Gallien-Exkurses1. Stellung und Inhalt des Gallien-ExkursesDer Exkurs über die Gallier, der mit dem Exkurs über die Germanen
aus später noch zu behandelnden Gründen als Einheit betrachtet werden
kann, folgt im sechsten Buch direkt an die Unterwerfung der Menapier, im
Anschluß an die begonnene Überquerung des Rheins. Nachdem Caesar die
Menapier unterworfen hat, die über Ambiorix mit den Germanen verbündet
waren, plant er, die Germanen anzugreifen. Doch hier liegt eine klare
Fehleinschätzung Caesars vor. Er glaubt, durch die nun fehlende
Unterstützung der Menapier seien die Germanen entscheidend geschwächt,
ohne zu sehen, daß das römische Heer durch vorhergehende Kämpfe
nicht in der Lage ist, die großen und überaus kampfstarken Germanen
zu besiegen. Erst als er mit seinen Truppen schon über den Rhein in
germanisches Gebiet eingedrungen ist, weiß er diese Stärke wohl
einzuschätzen. Im Widerspruch zu seiner Schilderung, er befürchtete,
die Getreidevorräte würden für einen weiteren Vorstoß nicht
reichen, läßt er sein Heer nicht verweilen, sondern zieht sich
wiederum auf die gallische Seite des Rheins zurück. Es ist sogar nicht
völlig auszuschließen, daß ihn vereinzelte Kämpfe zu
diesem Entschluß trieben, warum sollte Caesar sonst auf einmal seinen Plan
aufgeben und nicht die Stellung halten, sondern sich zurückziehen? Caesar
will allerdings den Eindruck entstehen lassen, sein Vorgehen sei nicht auf einen
Fehler seinerseits, sondern auf die Stärke der Germanen
zurückzuführen.
Die Stellung des Exkurses zeigt wieder einmal die genaue Strukturierung und
die Konsequenz, mit der Caesar sein Ziel verfolgt. Der Exkurs, der
grundsätzlich an vielen Stellen hätte vorkommen können, wird von
Caesar ganz bewußt eingesetzt, um nicht nur Informationen über die
Gallier und die Germanen weiterzugeben, gleichzeitig nutzt Caesar ihn, um von
der Sinnlosigkeit seines Plans abzulenken, nach Germanien einzuziehen.
So beginnt er seinen Exkurs mit den Worten: quoniam ad hunc locum perventum
est, non alienum esse videtur de Galliae Germaniaeque moribus et, quo differant
hae nationes inter sese proponere. Diese Einleitung kann als
Verweis auf die Bedeutung des Folgenden für seine Handlung verstanden werden,
aber auch eine Bemerkung, jetzt sei ein Zeitpunkt für eine allgemein notwendige
Charakterisierung der Gegner gegeben, kann hier herausgelesen werden. Ein direkter
Zusammenhang mit seiner Handlung ist auf alle Fälle nicht eindeutig gegeben.
Zugleich steckt in dieser Einleitung auch schon die Quintessenz des Exkurses:
Es geht Caesar darum, die Unterschiede zwischen Galliern und Germanen darzustellen.
Schon aus diesem Grund ist eine allein auf den Gallier-Exkurs beschränkte
Interpretation nicht sinnvoll.
Caesar schildert in seinem Exkurs anfangs die Herrschaftsstruktur in Gallien,
das innerhalb jeder Gruppe, sei es in den Gauen, in den Gemeinden oder in den
Familien, von dem angesehensten Mitglied geführt wird. Hierbei betont Caesar
besonders, daß die Anführer dabei stets auf Gerechtigkeit achten,
neque, aliter si faciat, ullam inter suos habet auctoritatem.
Man kann wohl annehmen, daß bei den Germanen ein ähnliches System
existierte, von diesem spricht Caesar jedoch nicht.
In den folgenden Abschnitten 13 und 14 berichtet Caesar über die Druiden,
die mit den Rittern zusammen die beiden größten Stände bilden.
In der Hand der Druiden liegen religiöse und intellektuelle Aufgaben wie
Opferungen, Priesterdienste, Schriftkenntnisse aber auch die Rechtsprechung.
Die Ausbildung der Druiden ist seiner Schilderung nach sehr umfangreich ist
besteht unter anderem aus dem Lernen von Versen, dem Erlernen der griechischen
Schrift, und philosophischem, astrologischem und theologischem Unterricht. Bei
den Opferungen werden vornehmlich Verbrecher geopfert, jedoch sind auch Opferungen
von Unschuldigen möglich. Die Götterwelt beschreibt Caesar als der
römischen sehr ähnlich, de his eandem fere quam reliquae gentes
habent opinionem, er nutzt gar die römischen Namen für
die gallischen Götter.
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