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Ebenso fällt auf, daß Caesar eigene Fehler gut zu verbergen oder
als unumgänglich darzustellen weiß. Als Beispiel hierzu soll die
Schlacht gegen die Belger in BG II dienen. Diese Schlacht nimmt anfangs einen
für die Römer katastrophalen Verlauf, die sonst so hervorragend ausgebildeten
Soldaten vergessen alle militärischen Regeln und sind somit in ihrer Kampfkraft
eingeschränkt. Caesar jedoch stellt dies alles anders dar: Die loci
natura und necessitas temporishätten die Soldaten
dazu veranlaßt, ihre militaris ratio atque ordo außer
Acht zu lassen. Er stellt es also nicht als einen Fehler der Soldaten dar, sondern
als eine Notwendigkeit. Hier tritt besonders deutlich ein Mittel auf, daß
die gesamten commentarii kennzeichnet: Caesar kann die Fehler zwar nicht verschweigen,
dies würde den Bericht unglaubwürdig klingen lassen, jedoch beschönt
er sie und führt sie nicht im Zusammenhang mit seinem Namen an. Sein Name
taucht erst wieder auf, als die Lage wieder von den Römern kontrolliert
wird, nun heißt es: cuius (i. e. Caesaris) adventu spe illata
militibus ac redingredato animo. Somit versteht es Caesar, seinem
Namen mit der positiven Wendung, nicht aber mit dem negativen Beginn in Zusammenhang
zu bringen.
Weniger Beachtung muß man wohl der jeweiligen Rechtfertigung für
die Kriege schenken, da es in der Außenpolitik des Römischen Reiches
selbstverständlich war, Kriege auch ohne einen in der heutigen Zeit verständlichen
Grund anzufangen. Als Beispiel hierzu sei der Beginn des Krieges gegen die Germanen
genannt, wie er ihn BG IV beschrieben wird. Der von Caesar genannte Grund, die
Gallier seien teilweise schon zu den Germanen übergelaufen, ist weder zu
beweisen noch zu widerlegen, jedoch verwundert es, daß Caesar keine Namen
der Stämme oder gar Zahlen nennt und den übrigen Galliern diesen Grund
verschweigt. Die Informationen zu diesen angeblichen Überläufern sind
spärlich, obwohl es doch in Caesars Interesse liegen sollte, den Kriegsbeginn
deutlich zu rechtfertigen. Doch hier sehen wir nur allzu deutlich einen Grundsatz
römischer Außenpolitik: Die Gründe für einen Krieg mußten
nicht immer klar dargelegt werden, da es zum römischen Selbstverständnis
gehörte, daß jeder Krieg gegen Barbaren von vornherein iustum sei.
Schulte-Horney meint dazu: “Wichtiger aber ist noch der Einwand, daß
sich Caesar mit seiner Eroberung Galliens von vornherein in voller Übereinstimmung
mit der offiziellen römischen ‘imperialistischen’ Außenpolitik
befand.” Zeitler schreibt: “Nach Scipios bzw. Ciceros
Auffassung muß es ein Segen für die fremden Völker sein, aus
den Sklavenfesseln eigener Grausamkeit unter die Knute römischer Zivilisation
zu gelangen.” Eine derartige Außenpolitik war für
ein Reich, das in einem solchen Maße expandierte, notwendig, da neu gewonnene
Gebiete an den Grenzen abgesichert werden mußten. Ein weiteres Vordringen
war somit die Garantie für ein Bestehen und einen Ausbau der Kolonie. Aus
diesem Grund mag es in der heutigen Zeit der UNO und der zumeist gleichberechtigten
Stellung der Staaten scheinheilig erscheinen, wie Caesar seine Kriege begründet,
für die römische Außenpolitik war ein solches Vorgehen jedoch
selbstverständlich.
Es bleibt also festzustellen, daß Caesar in seinen commentarii versucht,
einen akzeptablen Mittelweg zwischen geschichtlicher Schilderung und Propaganda
in eigener Sache zu finden und dies auch meisterlich schafft. “Er hatte
es nicht nötig, sich selbst von seiner eigenen Größe zu überzeugen.
Er war nur bestrebt, es anderen unmöglich zu machen, diese Größe
zu leugnen, zu unterschätzen oder unbelohnt zu lassen.”
Wie er dieses schafft, drückt Adcock etwas Beschönigend aus: “In
der Rechtfertigung seiner Taten vor sich selber und vor anderen mag er sich
gewiß den ‘Vorteil eines Zweifels’ eingeräumt haben,
und er war nicht gewissenhaft bis zum eigenen Nachteil”. Etwas
neutraler, aber nicht minder prägnant, drückt Richter es aus: “Das
Problem der sachlichen Redlichkeit betrifft nicht so sehr den Schriftsteller
Caesar (...) als vielmehr den ‘Historiker’ Caesar, der sich (...)
in dem Dilemma jedes Politikers befand, sein eigenes Handeln in einer seinen
Absichten nicht diametral zuwiderlaufenden Weise zu erläutern, ohne sich
in handgreifliche Widersprüche zu verwickeln.”. So zeigt
sich, daß Caesar zweifellos nicht ein neutrales Geschichtswerk schreiben
wollte, und gewiß auch nicht geschrieben hat, sondern eine Schilderung
der Geschehnisse mit dem ständigen Blick auf sein Bild in der Öffentlichkeit.
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